Schwalm-Eder-West

- der Braunkohlestandort

 

  Herausforderungen und Strategien

(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes)

Die vier Gemeinden Bad Zwesten, Jesberg, Neuental, Wabern und die Stadt Borken (Hessen) bilden Schwalm-Eder-West und liegen im strukturschwachen ländlichen Raum in Nordhessen. In diesem Raum leben ca. 32.000 Einwohner. Die jüngere Geschichte von Schwalm-Eder-West ist eng verknüpft mit seinen Braunkohlevorkommen. Die wirtschaftliche Bedeutung begann mit dem Bau eines Elektrizitätswerkes 1922. Bei der Betreiberfirma des Kraftwerkes, Preussen Elektra, waren bis zu 2.200 Menschen am Standort Borken beschäftigt, die bis zu 30% der gesamten Elektrizitätsmenge des Konzerns erzeugten. Durch ein Grubenunglück in Borken-Stolzenbach im Jahr 1988, bei dem 51 Bergleute ums Leben kamen, endete die Braunkohleära am Standort abrupt.

Mit der Aufgabe der Braunkohle- und Stromgewinnung ging ein massiver Arbeitsplatzverlust einher, auf den Bevölkerungsverluste folgten. Die überall in Westdeutschland zwischen 1990 und 1994 festzustellenden Wanderungsgewinne - ausgelöst durch Wiedervereinigung und erhöhte Aussiedlerzahlen - verdeckten kurzfristig die zu erwartenden Einwohnerrückgänge in Schwalm-Eder-West. Seit 1997 wird der kontinuierliche Verlust an Bewohnern offenkundig, Prognosen gehen von anhaltenden Rückgängen bei zunehmender Alterung der Bevölkerung aus.

Anpassung von Infrastrukturen: Herstellung von Barrierefreiheit in JesebergDie Suche nach neuen Leitbildern begann mit dem "BorkenPlan", dessen Anfänge in die frühen 1990er Jahre zurückreichen. Seit dem Jahr 2000 wurde dann im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes "Stadt 2030" eine interkommunale Entwicklungskonzeption"Vision 2030 Schwalm-Eder-West" erarbeitet, die Handlungsperspektiven für den Umgang mit den Schrumpfungs- und Alterungsprozessen in diesem Raum aufzeigt. Sie zielt auf eine Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur, welche die endogenen Potenziale als Gesundheitsadresse sowie als Standort für Freizeit, Tourismus, Landwirtschaft und zukunftsfähige Wirtschaftsbereiche in besonderer Weise aufnimmt. Um diese Potenziale erschließen zu können, setzt die "Vision 2030 Schwalm-Eder-West" auf eine enge Zusammenarbeit der Kommunen, die in Projekten wie einem gemeinsamen Boden- und Immobilienmanagement oder einer Anpassung von Infrastrukturen eingeübt werden muss.

Schwalm-Eder-West steht vor der Herausforderung, Handlungsansätze für den Umgang mit Bevölkerungsrückgängen und Alterungsprozessen in einem strukturschwachen ländlichen Raum zu vertiefen. Im Mittelpunkt von Lösungsstrategien steht dabei die interkommunale Zusammenarbeit, die schon mit der Gründung eines Zweckverbands und der Vorbereitung eines Regionalforums eine Erfolg versprechende Basis aufweist.

Die Kooperation der Kommunen verfolgt einen integrierten Ansatz, in dem sowohl die räumliche als auch die inhaltliche Verflechtung von Flächenentwicklung (Gewerbe- und Wohnbauflächen) und funktionaler Entwicklung (Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Tourismus) zusammengeführt werden. Die bereits bei der Erarbeitung der "Vision 2030 Schwalm-Eder-West" praktizierte Bürgerbeteiligung wird auch im Rahmen des Stadtumbau-Prozesses fortgeführt.