Pirmasens

- die Schuhstadt

 

 

Herausforderungen und Strategien

(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes)


Blick in die InnenstadtDie jüngere Geschichte der Stadt Pirmasens ist eng verbunden mit der Entwicklung der Schuhindustrie in Deutschland: Hervorgegangen aus der Not - nach dem Abzug der Garnison des Landgrafen Ludwig IX. im 18. Jahrhundert - hat sich aus der Verwertung der alten Uniformen die Schuhherstellung entwickelt. Im Zeitalter der Industrialisierung entstand daraus eine moderne Schuhindustrie, die in ihren Hochzeiten bis zu 30.000 Menschen Lohn und Brot brachte.

Eine große Anzahl - heute oft leer stehender - Produktionsstätten zeugten ebenso von der außergewöhnlichen Bedeutung der Schuhindustrie für die Stadt wie der internationale Messeplatz Pirmasens - immerhin ist dies der einzige internationale Messestandort des Landes Rheinland-Pfalz.

Als wäre die Abhängigkeit von einer Wirtschaftsbranche nicht schon genug Risiko, hatte sich mit dem Militärstandort Pirmasens ein zweiter bedeutender Entwicklungsfaktor in der Stadt herausgebildet. Über 3.500 amerikanische Soldaten mit ihren 6.500 Angehörigen brachten bis in die 1990er Jahre, stationiert auf der so genannten "Husterhöhe" nicht weit von der Innenstadt, Kaufkraft und über 4.000 zivile Arbeitsplätze nach Pirmasens.

Der Niedergang der Schuhproduktion am Standort Deutschland seit Anfang der 1980er Jahre leitete einen schmerzlichen Veränderungsprozess in Pirmasens ein: Über 15.000 Arbeitsplätze gingen in der Schuhindustrie verloren. Mit dem Abzug der Amerikaner verlor die Stadt weitere Kaufkraft und Arbeitsplätze. Als Konsequenz konstatierte Pirmasens 1997 fast 20% Arbeitslosigkeit und damit die höchste Arbeitslosenquote von Rheinland-Pfalz. Damit einher ging ein Bevölkerungsrückgang von mehr als 5.100 Einwohnern zwischen 1985 und 2001.

Ehemalige Produktionsstätte Die Zeichen des wirtschaftsstrukturellen Wandels und des Abzugs des Militärs sind überall in der Stadt sichtbar: Leer stehende Schuhfabriken, traditionell mitten in der Stadt, erinnern an "bessere Zeiten". Leer stehende Wohnungen in Altbauten mit erheblichem Modernisierungsstau spiegeln den Bevölkerungsverlust wider. Der Leerstand von Einzelhandelsflächen wiederum symbolisiert den Kaufkraftrückgang. Diese Entwicklungen konzentrieren sich in besonderer Weise auf die Innenstadt der knapp 48.000 Einwohner zählenden Stadt. Hinzu kommen große militärische Konversionsflächen in teilweise fußläufiger Entfernung zur Innenstadt, die mit großen finanziellen Anstrengungen einer zivilen, Arbeitsplatz schaffenden Nutzung zugeführt werden müssen.

Die Stadt Pirmasens steht nun vor der Aufgabe, Bewältigungsstrategien für den durch den skizzierten Wandel verursachten Schrumpfungsprozess zu entwickeln. Dabei stellt die geographische Randlage im äußersten Westen Deutschlands ein zusätzliches Hindernis dar. Eine erfolgreiche Innenstadtentwicklung voranzutreiben, die Nachnutzungspotenziale für innerstädtische Industriebrachen erschließt und einen stadtverträglichen Rückbau des Wohnungsbestandes beinhaltet, dürfte die größte Herausforderung für Pirmasens sein.

Die Stadt Pirmasens setzt sich - teilweise mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz - bereits seit einigen Jahren systematisch mit der Bewältigung des einschneidenden Wandels auseinander. So wurde schon 1996 vom Pirmasenser Marketing e.V., einem Zusammenschluss lokaler und regionaler Unternehmen, engagierter Bürger und der Stadt Pirmasens, ein Stadtleitbild "Pirmasens 2010" erarbeitet. Mit Stadtratsbeschluss vom März 2001 sind städtebauliche Untersuchungen in der so genannten "Erweiterten Innenstadt" durchgeführt worden, die in ein Innenstadtentwicklungskonzept mündeten. Der Stadtumbau-Prozess setzt diese Bemühungen mit konzeptionellen Ergänzungen und investiven Maßnahmen fort. Dabei ergreift Pirmasens vielfältig Chancen, um Konzepte zum Stadtumbau zu konkretisieren. So wurde 2004 beispielsweise eine Bewerbung (Auszug) zur Landesgartenschau erstellt, in der die Stadtumbau-Vorhaben eine Profil bildende Rolle spielen. Des Weiteren hat Pirmasens an der Initiative "Werkstatt Innenstadt Rheinland-Pfalz" und am Wettbewerb "Tatort Stadt" teilgenommen.. Im Jahr 2005 erfolgte die Aufnahme Pirmasens mit verschiedenen Bewerbungspartnern in das EU-Programm Interreg III b NWE (Nord-West-Europa) MSC (medium sized cities). Dieses Programm zielt auf die Attraktivierung des Städtesystems insbesondere für Mittelzentren mit der Veränderungsproblematik demographischer, wirtschaftlicher und stadtfunktionaler Wandel. Das Projektgebiet umfasst dabei einen innerstädtischen West-Ost-Korridor, der auch die Impulsprojekte Rheinberger und Messeumfeld einschließt.