Projektdokumentation

(Stand 2007/2008)

Im Herbst 2003 sind erste Strukturdatenanalysen für die Gesamtstadt vorgenommen und die Vorgehensweise für die Erarbeitung des "Stadtentwicklungskonzeptes Oer-Erkenschwick 2015" mit dem Stadtrat abgestimmt worden.

Im Rahmen der Erarbeitung des 2005 fertig gestellten "Stadtentwicklungskonzeptes Oer-Erkenschwick 2015" wurden

• in einem Beteiligungsverfahren neue Zielvorstellungen und Leitbilder für Oer-Erkenschwick konkretisiert,
• dabei Probleme und Zielkonflikte thematisiert,
• Stärken und Schwächen sowie Defizite und Potenziale der Stadtentwicklung herausgefiltert,
• notwendige Schritte für eine zukunftsfähige Entwicklung aufzeigt,
• beispielhaft ausgewählte Themenschwerpunkte erörtert,
• weitere räumliche Brennpunkte des Stadtumbaus herausgearbeitet, planerisch bearbeitet sowie
• in einem Handlungsprogramm Projekte und Maßnahmen des Stadtumbaus und der Stadtentwicklung vorgeschlagen.

Als Grundlage für eine Wohnungsmarktanalyse und -nachfrageprognose, die Bestandteil des Analyseteils im Stadtentwicklungskonzept sind, wurde im November 2004 eine telefonische Haushaltsbefragung durchgeführt. Mittels der Befragung wurden die Wohnsituation und die Wohnwünsche der Bevölkerung ermittelt.

Um Informationen über das Ausmaß des Leerstandes in Oer-Erkenschwick zu erhalten, wurde eine stromzählergestützte Leerstandsanalyse durchgeführt.

Nähere Informationen zur Herangehensweise bei der Erarbeitung des Konzeptes, zu Ergebnissen der Stärken-Schwächenanalyse auf deren Basis eine Ziel- und Leitbildentwicklung sowie die Auswahl von Schwerpunkten der vertieften Bearbeitung erfolgte, finden Sie in einer Präsentation von Herrn Michael Happe, Inhaber des Büros für Kommunal- und Regionalplanung in Essen, anlässlich einer Projektwerkstatt im November 2006.

Die innenstadtnahe Wohnsiedlung Schillerpark aus den 1970er Jahren wurde komplett umgebaut. Die im Forschungsfeld geförderten Maßnahmen gliederten sich in drei Impulsprojekte:

Impulsprojekt Schillerpark "Geordneter Teilrückbau von Wohnungen"
Umbaumaßnahmen im SchillerparkDas Stadtumbau-Konzept für die Wohnsiedlung Schillerpark sah die Schaffung einer kleinteiligeren Struktur mit "Stadtvillencharakter" vor. Mit dem selektiven horizontalen und vertikalen Rückbau von 101 Wohnungen reduzierte sich die Wohnungsanzahl von ursprünglich 221 auf insgesamt 120. Bei diesem Rückbau wurden jeweils die höchsten Einzelgebäude mit 9-12 Geschossen inklusive Treppenhaus-/Aufzugsturm aus der Mitte der drei sternenförmigen Gebäudekomplexe der Siedlung herausgetrennt und demontiert. Das zeitaufwändige Abtragen einzelner Geschosse machte die Durchführung einer Reihe von Maßnahmen in den Anschlussbereichen erforderlich. Betroffen waren diesbezüglich insbesondere die Dachbereiche, aber auch Innen- und Außenwände sowie Teile der Fassade. Damit die Erschließung der angrenzenden Gebäudebereiche gewährleistet blieb, war jeweils der Neubau eines Treppenhaus-/ Aufzugsturms notwendig.

Ergänzend erfolgte für die verbliebenen Einzelgebäude ein selektiver horizontaler Rückbau auf maximal vier bis fünf Geschosse. Da das Erscheinungsbild des Wohnstandortes vorrangig von der Schillerstraße aus wahrgenommen wurde, wurden die dahin orientierten Gebäude in größerem Umfang rückgebaut als die rückwärtigen, zum Alten- und Pflegeheim der Diakonie gerichteten Baukörper.

Mit dem Teilrückbau von 101 Wohnungen verringerte sich nicht nur der Wohnungsbestand, sondern es veränderte sich auch das Wohnungsgemenge. Alle drei Wohnblöcke wurden einheitlich auf jeweils 40 Wohnungen zurückgebaut, wodurch sich die Gesamtwohnfläche fast halbierte. Der Wohnungsbestand weist heute eine größere Differenzierung auf, wobei der Anteil kleinerer Wohnungen zugenommen hat.

Der Stadtumbau erfolgte schrittweise in drei Baublöcken. Im Block I konnte im September 2004 eine Schadstoffsanierung abgeschlossen und mit dem Trockenbau begonnen werden. Zur Ermittlung der Ausstattungswünsche der Mieter wurden drei Musterbäder und Musterwohnungen im Block I eingerichtet. Im Frühjahr 2005 konnte der Block I nach Rückbau von 40 Wohneinheiten, umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen und dem Bau einer Penthousewohnung neu bezogen werden. Nähere Information zum Abschluss des ersten Bauabschnitts finden Sie hier. Der Erfahrungshintergrund mit dem Umbau des Blocks I ermöglichte eine Beschleunigung der Arbeiten an den Blöcken II und III. Die Schadstoffsanierung und Rückbauarbeiten an Block II wurden Ende 2005, an Block III 2007 beendet. Die Erfahrungen mit dem geordneten Teilrückbau fanden Berücksichtigung in einem Auswertungspapier zu "Management, Verfahren und Kosten des Rückbaus von Wohnungen".

Ende 2007 waren die verbleibenden 120 Wohneinheiten zu 100% vermietet. 50% der Mieter sind dabei "alte" Mieter aus der Zeit vor den Umbaumaßnahmen, 50% sind Neukunden. Die hohe Nachfrage hat das Wohnungsunternehmen dazu bewogen die geplante kleinteilige städtebauliche Ergänzung mit 23 weiteren Mietwohnungen verteilt auf zwei Gebäude (21 seniorengerechte und zwei Penthousewohnungen) zügig vorzunehmen.

Impulsprojekt "Schillerpark: Aufwertung des Wohnumfeldes"
Aufgewertetes Wohnumfeld im SchillerparkDie Neuordnung und Aufwertung des Wohnumfeldes des Schillerparks basiert auf einem Parkkonzept, das großzügige Rasenflächen, Gehölzgruppen, Spiel- und Aufenthaltsbereiche sowie eine zentrale Grünverbindung mit kleineren Plätzen zur internen, fußläufigen Erschließung beinhaltet. Die Hauszugangsbereiche wurden von der Schillerstraße aus neu angelegt und als kleinteilige "Parkbänder" ausgestaltet, welche die verglasten Treppenhaus- bzw. Aufzugstürme als prägende Architekturelemente der Wohnanlage wirken lassen. Mit der neuen Erschließung der Wohngebäude von der Schillerstraße aus wurde eine deutliche Öffnung des "Schillerpark" zur Innenstadt und zu den benachbarten Wohnquartieren erreicht. Durch Anhebung der Geländeanschlüsse an den Gebäuden wurde die Topografie verändert. Mauerelemente in Form von "Gabionen" sowie Rampen und Treppen geben dem Wohnumfeld eine abwechslungsreiche Gestalt.

Impulsprojekt "Schillerpark: Quartiers- und Umsetzungsmanagement"
Gebäudeansicht nach Teilrückbau im SchillerparkDer zeitlich gestaffelte Rückbau von 101 Wohnungen machte den blockweisen Freizug sämtlicher Wohnungen notwendig. Im Sinne der Bewohner wurde ein betreutes, sozialverträgliches Umzugsmanagement durchgeführt, koordiniert durch den Quartiersmanager vor Ort. Priorität hatte die Nutzung vorhandener Leerstände im "Schillerpark" entsprechend dem Baufortschritt, damit die Kunden weiterhin innerhalb ihres gewohnten Umfeldes wohnen konnten. Der Rückbauumfang und die hierdurch bedingte Veränderung des Wohnungsgemenges führten jedoch auch dazu, dass ein temporärer und teilweise sogar dauerhafter Wegzug von Mietern in andere Wohnquartiere unumgänglich war. Diesen Bewohnern wurden in erster Linie leer stehende Wohnungen in Oer-Erkenschwick und Umgebung zur Verfügung gestellt. Mit der Einrichtung eines "Runden Tisches" und der Leitung der Stadt Oer-Erkenschwick und der Durchführung bilateraler Gespräche mit anderen Mietwohnungseigentümern vor Ort wurde für das Wohnungsunternehmen die Möglichkeit geschaffen, bei Bedarf auf entsprechend geeignete Ausweichwohnungen in Fremdwohnungsbeständen zurückgreifen zu können.

Im Zuge des anvisierten Imagewandels wurde die Umbenennung der Gebäude- und der Straßenbezeichnung nach Fertigstellung der Gesamtmaßnahme von Halluinstraße zu "Am Schillerpark" vollzogen.

Wichtige Informationen zu Bausteinen des Vorhabens und des Projektverlaufs erläuterte Herr Jörg Achim Schwenzfeier, Geschäftsführer der VMW, in einer Präsentation anlässlich einer Projektwerkstatt im November 2006. Zudem thematisierte er die Kriterien der unternehmerischen Entscheidungsprozesse bei der Prüfung von verschiedenen Handlungsoptionen im Umgang mit dem Schillerpark, die auch in einem Anfang 2007 erstellten Auswertungspapier eruiert wurden. In einem weiteren Papier wurden die Erfahrungen in der VMW/THS bei der Anpassung von Wohnungsbeständen an die Bedarfe älterer Menschen dokumentiert.

Detaillierte Informationen zum Umbau des Schillerparks finden sich in der 2006 erschienenen Broschüre und im Internet unter www.schillerpark.info.

Das Übersichtsdokument zum Pilotvorhaben Oer-Erkenschwick mit Würdigung der Erkenntnisse im ExWoSt-Forschungsfeld finden Sie hier.