| Wilhelmshaven - die Marine- und Hafenstadt |
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Herausforderungen und Strategien (Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes) Die strategisch günstige Lage am Jadebusen hat Wilhelmshaven schon frühzeitig zum bedeutendsten Marinestandort an der Nordsee gemacht. So weihte am 17. Juni 1869 König Wilhelm I. von Preußen den Hafen als Marinestützpunkt ein und gab der damit entstandenen Siedlung seinen Namen. Seit dieser Zeit wuchs die Stadt als Flotten-, Hafen-, und Werftenstandort kontinuierlich und wurde 1938 zur Großstadt. Die damaligen Planungen verfolgten das Ziel einer "Stadt der Fünfhunderttausend". Während des 2. Weltkrieges zerstörten aber mehr als 100 Luftangriffe die Stadt zu zwei Dritteln. Nach 1945 suchten die Verantwortlichen für Wilhelmshaven eine neue Leitfunktion, welche die Jadestadt künftig eigenständig und losgelöst von einseitigen, militärischen Überlegungen entwickeln sollte. So wurde die Wirtschaft und hier besonders die industrielle Entwicklung forciert. 1957 kam es zum Bau des Ölhafens. Trotz dieser Bemühungen blieb eine starke Abhängigkeit der
Stadt Wilhelmshaven von der Bundeswehr, von Häfen und Werften bestehen
und machte sie anfällig gegenüber Standortveränderungen
in diesen Bereichen. Noch heute arbeitet fast jeder zweite Erwerbstätige
in öffentlichen, staatlichen Dienstleistungen wie in der Bundesmarine,
im Gesundheits- und Bildungswesen sowie in Hochschul- und Forschungseinrichtungen.
Dabei waren die Stellenreduzierungen bei der Bundeswehr schon in der Vergangenheit
schmerzhaft. Weitere Arbeitsplatzverluste, z.B. verbunden mit der Schließung
der Olympia-Werke vor den Toren der Stadt Wilhelmshaven, konnten nicht
kompensiert werden und so stieg die Arbeitslosenquote Mitte der 1990er
Jahre auf fast 20% an. Seit 1980 hat sich die Beschäftigtenentwicklung
der Stadt Wilhelmshaven von der des Landes und des Bundes abgekoppelt.
Große Hoffnungen verbinden sich daher mit dem Jade-Weser-Port, dem
geplanten einzigen deutschen Tiefseehafen für Containerschiffe. Im
engen Zusammenhang mit dem Rückgang von Arbeitsplätzen verliert
Wilhelmshaven kontinuierlich an Einwohnern. Weitere Ursachen des Bevölkerungsrückgangs
sind in der überdurchschnittlichen Alterung und dem Überhang
von Sterbefällen gegenüber Geburten zu sehen. Die skizzierten Entwicklungen mit zunehmenden sozialen Problemlagen wie auch Leerständen von Wohnungen konzentrieren sich in drei Stadteilen. Dies sind der zwischen Innenstadt und Hafen gelegene Stadtteil Südstadt/Bant aus der Gründerzeit, die innenstadtnah gelegene denkmalgeschützte Gartenstadtsiedlung Siebethsburg und Fedderwardergroden, eine Trabantensiedlung aus den 1940er Jahren. Bei jeweils spezifischen Ausgangslagen geht es in diesen Stadtteilen darum, angesichts eines für 2010 prognostizierten strukturellen Leerstands von über 3.700 Wohnungen* Erfolg versprechende Strategien zwischen Marktbereinigung und Marktanpassung zu finden. Die Stadt steht nun vor der Herausforderung, die Gebäudeeigentümer
in den drei problematischen Stadtteilen bei einer erfolgreichen Anpassungsstrategie
an die abnehmende Wohnungsnachfrage zu unterstützen. In den drei vom sozialen und räumlichen Wandel in besonderer Weise
betroffenen Stadtteilen wurden bereits in den vergangenen Jahren vielfältige
Aktivitäten entfaltet: So ist beispielsweise die Aufnahme des Stadtteils
Südstadt/Bant in das Bund-Länder-Programm "Die soziale
Stadt" gelungen. Für Fedderwardergroden liegt eine Vorbereitende
Untersuchung vor und für die Gartenstadt Siebethsburg wurden neben
einer Vorbereitenden Untersuchung auch schon Zukunftsprojekte herausgearbeitet,
die auf zielgruppenorientierte Kundenpflege bzw. Neukundenansprache ausgerichtet
sind. Die überwiegende Anzahl von Wohnungen in den Stadtteilen Fedderwardergroden
und Siebethsburg war bislang im Eigentum von zwei lokalen, nicht-kommunalen
Wohnungsbauunternehmen, die eng mit der Stadt zusammenarbeiten. Mit der
Übernahme der Wohnungsbaugesellschaft Jade mbH durch einen amerikanischen
Konzern Ende 2004 sind neue Sondierungsgespräche im Hinblick auf
die weitere Zusammenarbeit erforderlich. Im Rahmen von Stadtumbau West wird ein stadtweites Dialogverfahren zum Stadtumbau erprobt und werden zielgruppenspezifische Anpassungsmaßnahmen in Wohnungsbeständen von zwei Wohnungsunternehmen vorgenommen. * Quelle: Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (IES) 2001: Wohnungsprognose 2015: Berichte zu den Wohnungsmärkten; Hannover
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