Völklingen

- die Stahlstadt
 


Herausforderungen und Strategien

(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes)

Die Stadt Völklingen zählte einst zu den bedeutendsten Montanstandorten in der Bundesrepublik. Eindrucksvolles Zeugnis der für die Stadt so prägenden industriellen Vergangenheit ist die durch die UNESCO in Teilen als Weltkulturerbe ausgewiesene Völklinger Hütte. Die Schließung der Hochöfen im Jahre 1986 und Verlagerungen von Arbeitsplätzen bedeutete einen einschneidenden Wendepunkt für die Entwicklung der Stadt. Der Verlust der Arbeitsplätze war immens: Noch Ende der 1960er Jahre waren rund 15.500 und damit 50% aller in der Eisen- und Metallbranche tätigen Menschen des Saarlandes bei den 1881 gegründeten Röchlingschen Eisen- und Stahlwerken, der heutigen Saarstahl AG, beschäftigt. Auch heute ist die Entwicklung der Stadt stark an die Zukunft des Montanstandortes Deutschland gekoppelt: Rund 15% aller Beschäftigten der Stadt verdienen ihren Lebensunterhalt in Bergbau und Energiewirtschaft, die Saarstahl AG ist mit rund 3.700 Beschäftigten größter Arbeitgeber.

Die Bewältigung des montanindustriellen Strukturwandels ist daher für die Stadt noch immer eine zentrale Aufgabe. Die an sie gestellten Anforderungen sind vielschichtig und reichen von der Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze über die Abfederung sozialer Problemlagen bis hin zu städtebaulichen Aufgabenstellungen. Der Handlungsbedarf ist weiterhin hoch, denn mit einer Arbeitslosenquote von 16 bis 18 % zwischen 2002 und 2007 liegt Völklingen erheblich über dem saarländischen Durchschnitt. Verbunden damit ist auch ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Sozialhilfeempfängern zu verzeichnen. Die Stadt hat mit einem Attraktivitätsverlust zu kämpfen. Aufgrund fehlender Perspektiven verlassen gerade junge Leute die Stadt. Der jährliche Bevölkerungsverlust beträgt durchschnittlich 0,8%.

Die Herausforderungen, vor denen die Stadt Völklingen steht, sind im Kernbereich der Innenstadt besonders offensichtlich. Neben der typischen Innenstadtproblematik durch die Konkurrenz von Einzelhandelsstandorten auf der "grünen Wiese" und der Lage zwischen zwei attraktiven Nachbarstädten haben der innerstädtische Handel und die Gastronomie unter einem immensen Kaufkraftverlust zu leiden. Besonders einschneidend hat sich die Schließung der Hütte ausgewirkt: Da die Eisen- und Stahlwerke innenstadtnah gelegen sind, haben die Beschäftigten traditionell die Angebote der Völklinger City für ihre Einkäufe genutzt. Heute stehen rund 40% der Einzelhandelsfläche in der Innenstadt leer und der Sanierungsbedarf des Gebäudebestandes ist hoch. Demgegenüber ist aufgrund einer äußerst geringen Renditeerwartung und fehlender Zukunftsperspektiven das Investitionsinteresse der Eigentümer gering.

Die Dominanz der Industrie in Fläche, Image und Stadtstruktur sowie ein enger finanzieller Spielraum und mangelndes privates Finanzierungsinteresse erschweren es den kommunalen Verantwortungsträgern immer wieder zu tragfähigen - und vor allem finanzierbaren - Zukunftsperspektiven zu gelangen.

Die Stadt Völklingen hat bereits in den Anfängen der sich abzeichnenden Strukturkrise im Montansektor begonnen, den Wandel aktiv zu gestalten. Es sind verschiedene Gutachten und Planungen, unter anderem zur Innenstadt und zum Weltkulturerbe, erstellt worden. Positive Entwicklungsimpulse werden durch die städtebauliche Anbindung des kulturtouristisch bedeutsamen Weltkulturerbes Völklinger Hütte an die Innenstadt erwartet. Seit einigen Jahren arbeitet die Stadt an einer Zusammenführung von Einzelansätzen und zentralen Akteuren, um zu einem gemeinsamen Arbeitsprogramm "Stadtentwicklung" zu gelangen. Vorarbeiten für ein integriertes Stadtentwicklungskonzept wurden im Rahmen des Programms "Die soziale Stadt" im Jahr 2001 begonnen. Vorrangiges Ziel des Stadtumbaus ist es, das Stadtzentrum unter den heute geltenden Bedingungen wiederzubeleben und seine Funktion als Ort des Austausches, der Kommunikation, der Stadtkultur und -politik wiederherzustellen.

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