Saarbrücken-Burbach

- der Stahlarbeiterstadtteil

 

Herausforderungen und Strategien

(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes)

Der Saarbrücker Stadtteil Burbach liegt unmittelbar an der Saar. Nur 3,5 Kilometer von der Fußgängerzone Saarbrückens entfernt ist Burbach zentrumsnah. Mit ca. 15.000 Bewohnern leben rund 8% der Saarbrücker Gesamtbevölkerung im Stadtteil. Die Geschichte Burbachs ist seit 150 Jahren eng mit der saarländischen Schwerindustrie verknüpft, deren Niedergang in den 1970er Jahren einsetzte. Mit der Stilllegung der Burbacher Hütte und der Schließung der Drahtwerke Heckel in den 1980er Jahren sowie der Einstellung des Betriebs des Bundesbahn Ausbesserungswerkes 1997 verlor Burbach innerhalb von 20 Jahren alle großen Arbeitgeber.

Für Burbach war dieser Umbruch ein tiefer Einschnitt. Viele Bewohner gerieten in eine soziale Randlage. Der alten Identität und dem Selbstbewusstsein des Stadtteils ist die Grundlage verloren gegangen. Private Bausubstanz, Infrastruktur und Freiflächen wurden nicht mehr in ausreichendem Maße instand gehalten. Dennoch ist es in den vergangenen rund zehn Jahren gelungen, die Neunutzung und Inwertsetzung des Burbacher Hüttengeländes, der Drahtseilfabrik Heckel und des Bahnausbesserungswerkes als moderne Standorte für Informationstechnologie, Dienstleistung und Handwerk einzuleiten. Die "neuen Standorte" heißen heute "Saarterrassen", "IT ParkSaarland" und "aw hallen". Die Entwicklung der "aw hallen" als Handwerkerstandort befindet sich noch in der Startphase, der "IT ParkSaarland" in der Erweiterungsphase und auf den "Saarterrassen" ist die Revitalisierung bereits weitgehend abgeschlossen.

Die positive Entwicklung an den transformierten Standorten der Montanindustrie hat zu einem unerwünschten Nebeneffekt geführt: Der Arbeits- und Wohnstadtteil Burbach verlor seine homogene Struktur. Die ehemalige Einheit von Arbeiten und Wohnen, die den Stadtteil zu Montanzeiten geprägt hat, besteht heute nicht mehr. Die Burbacher Bevölkerung konnte bislang kaum von den Entwicklungen der neuen Wirtschaft profitieren. Den gut bezahlten Arbeitsplätzen steht eine bei fast allen maßgeblichen Sozialindikatoren benachteiligte Bevölkerung im "alten Stadtteil" gegenüber. Verstärkt wird dieser Gegensatz durch die optischen Unterschiede: Architektonische Highlights auf der einen Seite stehen stark sanierungsbedürftigen Gebäuden und städtebaulichen Missständen auf der anderen Seite gegenüber.

Saarbrücken-Burbach steht nun vor der Herausforderung, durch gezielte städtebauliche Interventionen das Spannungsverhältnis zwischen dem marginalisierten Wohnquartier und den erfolgreichen Unternehmensstandorten aufzulösen.

Saarbrücken-Burbach ist im Sommer 2003 in das Bund-Länder-Programm "Die soziale Stadt" aufgenommen worden. Ein integriertes Handlungskonzept für die Stadtteilentwicklung wurde im Oktober 2003 in Auftrag gegeben. Im Zuge der Vorarbeiten zur Aufnahme des Stadtteils in das Programm "Die soziale Stadt" wurden folgende vier Handlungsfelder als "Zukunftsthemen" der Stadtteilentwicklung Burbachs definiert:

Handlungsfeld 1: Stärkung des Burbacher Zentrums
Handlungsfeld 2: Wohnen in Burbach
Handlungsfeld 3: Wirtschaft in Burbach
Handlungsfeld 4: Bildung in Burbach

Die Aktivitäten im Zuge des Programms "Die soziale Stadt" und die Impulsprojekte im Rahmen von Stadtumbau West werden eng miteinander verzahnt. In Stadtumbau West stehen vorrangig bauliche Aufgabenstellungen in den Handlungsfeldern 1 und 2 zur Bearbeitung an. Im Handlungsfeld 2 werden potenziellen Baumaßnahmen Untersuchungen der Situation des Burbacher Wohnungsmarktes vorgeschaltet, da die Chancen und Potenziale Burbachs hinsichtlich seiner zukünftigen Rolle als Wohnstandort unter den aktuellen demographischen und wohnungswirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch unklar sind.

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