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Herausforderungen und Strategien
(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes)
Das zwischen der Hamburger Innenstadt und dem südlichen Harburg gelegene
Wilhelmsburg ist ein schrumpfender Stadtteil in der wachsenden Stadt Hamburg.
Wilhelmsburg liegt auf einer Marscheninsel in der Elbe, auf der bis ins
19. Jahrhundert vor allem Landwirtschaft betrieben wurde. Mit der Einrichtung
des Freihafens 1888 begann die Industrialisierung und damit einhergehend
ein grundlegender Strukturwandel im Stadtteil.
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Im Wilhelmsburger Westen wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts Straßen
und Kanäle gebaut, es entstanden kleinere und größere
Industriebetriebe, Fabriken sowie hafen- und werksnahe Wohnungen. Zur
Zeit des Nationalsozialismus entstanden zeitgleich zur expandierenden
Rüstungsindustrie arbeitsplatznaher Geschosswohnungsbau im Westen
und Eigenheimsiedlungen im Osten. Die Sturmflut von 1962 überflutete
große Teile der Insel.
Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung ist der Stadtteil ausgesprochen
heterogen strukturiert: Wohn-, Kleingarten- und Grüngebiete liegen
zwischen mehr oder weniger intensiv genutzten Gewerbeflächen, die
Mitte ist geprägt durch stark frequentierte Verkehrstrassen und Brachflächen
der Deutschen Bahn. Der Besatz des angrenzenden Hafengebietes reicht von
großindustrieller Nutzung über Logistik- und Distributionsbetriebe
bis hin zu kleinsten Gewerbebetrieben an der Nahtstelle zwischen hafen-
und stadtteilbezogener Nutzung. Trotz der geographisch zentralen Lage
Wilhelmsburgs in der Stadt Hamburg fehlt die städtebauliche Verknüpfung
mit der Stadt. Industrie- und Gewerbebetriebe und damit auch die Hafennutzungen
werden immer großmaßstäblicher, so dass kleinteilig strukturierte
Gebiete überformt werden. Der wirtschaftliche Strukturwandel wirkt
auch auf die soziale und wirtschaftliche Situation in Wilhelmsburg. Viele
Arbeitsplätze wurden abgebaut; durch den hohen Anteil Arbeitsloser
ging die Kaufkraft zurück, was sich negativ auf den örtlichen
Einzelhandel auswirkte. Im Zuge dieser Abwärtsspirale verlassen nach
wie vor die, die es sich leisten können den Stadtteil. Wilhelmsburg
hat mit massiven Imageproblemen zu kämpfen, gerade auch in den Bereichen,
die stark durch öffentlich geförderten Wohnungsbau geprägt
sind. Aufgrund der angetroffenen Probleme, der Lage und der Defizite konnte
Wilhelmsburg trotz entsprechender Planungen von der gesamtstädtischen
Entwicklung (z.B. leichte Einwohnerzuwächse und neue Arbeitsstättenflächen)
nicht profitieren.
Mit verschiedenen Handlungskonzepten der Städtebauförderung
wird seit 1981 unter intensiver Bürgerbeteiligung versucht, Potenziale
und Qualitäten im Bestand zu nutzen und den Veränderungen anzupassen.
Trotz vieler Projekterfolge im Einzelnen konnte der Stigmatisierung des
Stadtteils insgesamt nur begrenzt entgegengewirkt werden.
Hamburg-Wilhelmsburg steht nun vor der Herausforderung, eine jahrzehntelang
durch Industrie, Gewerbe, Hafen und Verkehrsbauten geprägte und teilweise
auch beeinträchtigte Siedlungsstruktur neu zu ordnen, damit diese
für zukünftige nachhaltige Entwicklungen wieder offen wird.
Der gesamtstädtische Umstrukturierungsprozess des Hafens bietet neue
städtebauliche Optionen für Wilhelmsburg. Die in der Pufferzone
zwischen sensibler Wohnnutzung in Wilhelmsburg und robuster industrieller
Nutzung im Hafen gelegenen zur Zeit nutzungsfreien - teils städtischen,
teils privaten und sanierungsbedürftigen - Hafenflächen bieten
die Chance, hier neues attraktives Gewerbe anzusiedeln und manche Kanäle
als Landschaftsachsen besser zugänglich zu machen.
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