Essen

- Dienstleistungsstadt im Ruhrgebiet

 

 

Herausforderungen und Strategien

(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes)

Die Stadt Essen, geographisches Zentrum der Metropolregion Ruhrgebiet, als Bürostandort "Schreibtisch des Ruhrgebiets", Sitz international bedeutender Konzerne, Messe- und Universitätsstadt mit weltweiter Geltung im Bereich des Gesundheitswesens ist mit rund 580.000 Einwohnern eine der herausragenden Städte des Ruhrgebiets.

Auf den bereits in den 1960er Jahren einsetzenden montanindustriellen Strukturwandel in der ehemaligen Bergbaustadt Essen folgten schon früh starke Bevölkerungsrückgänge. Mit einem Verlust von über 38.000 Einwohnern zwischen 1992 und 2004 verzeichnet Essen auch noch in der jüngeren Vergangenheit vergleichsweise starke Rückgänge im Ruhrgebiet, die nach allen Prognosen in Zukunft anhalten und bis 2015 einen weiteren Verlust von bis zu 40.000 Einwohnern mit sich bringen werden. Diese Einwohnerverluste resultieren aus Sterbeüberschüssen bei der deutschen Bevölkerung, die durch Geburtenüberschüsse bei Einwohnern mit Migrationshintergrund nicht ausgeglichen werden. Wanderungsgewinne und -verluste sind mittlerweile ausgeglichen, wobei sich die Fortzüge weniger auf Gebiete mit ländlicher Raumstruktur, sondern auf andere Ballungsraumkernbereiche konzentrieren. Die Bevölkerung altert überdurchschnittlich schnell.
Historisch und naturräumlich bedingt unterteilt sich das Essener Stadtgebiet in den dicht besiedelten Norden und den durch ausgedehnte Grün- und Freiraumstrukturen geprägten Süden. Auch sozialräumlich betrachtet lässt sich ein Unterschied feststellen: Pointiert ausgedrückt kann man vom "armen, multiethnischen, jungen Norden" und vom "reichen, deutschen, alten Süden" sprechen.
Unter dem Motto "Agieren statt reagieren" ist der Diskussionsprozess bereits in Essen initiiert worden. Das funktionierende gesamtstädtische Zentren-System und der relativ stabile Arbeitsmarkt besonders im zukunftsträchtigen tertiären Sektor werden als solide Grundlage für Stadtumbau-Strategien gewertet, die die besondere Bedeutung Essens als Konzern- und Dienstleistungsstandort für eine ganze Region berücksichtigen.

Zur Eindämmung der Wanderungsverluste hat die Stadt Essen von 2001 bis 2003 ein Wohnungsbauprogramm mit dem Ziel aufgelegt, durch Baulandausweisungen insbesondere im Bereich der Einfamilienhausbebauung Haushalte in ihrer Gründungsphase im Stadtgebiet zu halten. Über das Wohnungsbauprogramm hinaus sind weitere Maßnahmen erforderlich, um mit den skizzierten Entwicklungen eine sinnvolle "Essen-Perspektive 2015+" gestalten zu können.

Die langjährige Praxis mit der Aufgabe "Soziale Stadt - Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf" stellt einen Erfahrungshintergrund dar, der für die Stadtumbau-Prozesse fruchtbar eingesetzt werden kann. Auch die eingeübte Zusammenarbeit der Kommune mit ansässigen Wohnungsunternehmen sowie die Kooperation von zehn Unternehmen im Rahmen des wohnungswirtschaftlichen Aufwertungs- und Anpassungsprojektes "Wohnen in Essen" erleichtern es der Stadt, Erfolg versprechende Ansätze zur Bewältigung der Bevölkerungsverluste, Alterungs- und Segregationsprozesse zu entwickeln.

Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes Stadtumbau West erarbeitet Essen ein Stadtentwicklungskonzept "Essen-Perspektive 2015+". Die zentrale Frage lautet, mit welchen flächenbezogenen Strategien in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Infrastruktur die Stadt Essen den erwarteten Bevölkerungsverlusten, Alterungstendenzen und räumlichen Segregationsprozessen begegnen kann.

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