| Albstadt - die Textilstadt
(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes) |
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Die Gründung der noch jungen Stadt Albstadt auf der Südwestalb geht auf die kommunale Gebietsreform der 1970er Jahre zurück. Vormals selbständige Ortschaften wie Ebingen und Tailfingen waren seit der Industrialisierung bedeutende Zentren der Textil verarbeitenden und Bekleidung herstellenden Industrie. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts gab es dort zahlreiche Webstühle. Der große Durchbruch als Standort der Textilindustrie kam ab 1870 und brachte ein enormes Bevölkerungswachstum mit sich: Zwischen 1871 und 1910 wuchs allein die Bevölkerung des heutigen Stadtteils Ebingen von 5.029 auf 11.423 Einwohner an. Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich das Arbeitsplatz- und Einwohnerwachstum fort und führte Albstadt mit seinen heute neun Stadtteilen zu einer Anzahl von ca. 47.000 Einwohnern. Mit der Stilllegung von Betrieben und der Verlagerung von Arbeitsplätzen der Textilindustrie in süd- und osteuropäische Billiglohnländer begann ab Mitte der 1980er Jahre der Verfall der einstigen Vorzeigebranche von Albstadt. In den letzten 20 Jahren des vorigen Jahrhunderts sank die Anzahl der Betriebe in der Textilindustrie um mehr als 50%, die Textil-Arbeitsplätze gingen sogar von 13.417 auf 4.645 zurück. Diese Arbeitsplatzverluste in der Leitbranche der Stadt konnten nicht von anderen Wirtschaftszweigen kompensiert werden, so dass die Gesamtbeschäftigtenzahl in dem genannten Zeitraum um 25% zurückging. Seit den 1990er Jahren wird dieser wirtschaftstrukturelle Wandel begleitet von einem Einwohnerrückgang, der seit 1993 bis Anfang 2000 ca. 2.000 Einwohner ausmacht. Dieser Bevölkerungsverlust schlägt sich in Form zunehmender Leerstände im Mietwohnungsbestand nieder. |
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Als städtebauliche Problemlage fallen die Industriebrachen, insbesondere
in den Stadtteilen Ebingen, Tailfingen und Onstmettingen ins Auge. Die
Produktionsstätten der Textilindustrie lagen traditionell in der
Stadt, viele auch innerhalb von Wohnsiedlungen. Nun stehen über 45
alte Industriegebäude in den Stadtteilen leer und müssen einer
neuen Nutzung zugeführt werden. Für wenige Gebäude in bevorzugten
Lagen konnten Nachnutzungen gefunden werden, völlig unklar ist aber,
wo das Nachnutzungspotenzial für eine so große Anzahl aufgelassener
Gewerbebrachen liegen könnte. |
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Albstadt steht damit vor der Herausforderung, für eine Vielzahl von Industriegebäuden der Textilindustrie neue funktionale und städtebauliche Lösungen zu finden und einen verträglichen Rückbau des Mietwohnungsbestandes bei gleichzeitiger Modernisierung der zu erhaltenden Bestände zu organisieren. |
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Albstadt bemüht sich seit Mitte der 1980er Jahre, den zunehmenden strukturellen Problemen durch städtebauliche Sanierungsmaßnahmen entgegenzuwirken. Im Rahmen von Fördermaßnahmen des Bundes und des Landes Baden-Württemberg konnten so Aufwertungen von Ortsmitten, von Wohngebieten wie auch einzelner Gewerbebrachen vorgenommen werden. Im Jahr 2001 hat die Stadt ein Leitbild unter dem Titel "Albstadtkonzeption 2010" erarbeitet, das auf einem Einzelhandelsgutachten, einer Imageanalyse und einer Unternehmensbefragung aufbaut. Das ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West versetzt Albstadt in die Lage, auf der Basis eines Stadtentwicklungskonzeptes den Stadtumbau einer 1950er Jahre-Siedlung und von drei Industriebrachen voranzutreiben. |
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