Bremen-Osterholz-Tenever

- Hochhaussiedlung am Rande der Großstadt

 

Herausforderungen und Strategien

(Situationsbeschreibung zu Beginn des Forschungsfeldes)

Gebäudekomplex in Osterholz-TeneverDie Großsiedlung Tenever wurde zwischen 1967 und 1975 am östlichen Rand des Bremer Stadtteils Osterholz, elf Kilometer Luftlinie entfernt von der Bremer Innenstadt, als Demonstrativbauvorhaben des Bundes errichtet. Nach dem damals populären städtebaulichen Konzept "Urbanität durch Dichte" entstand ein Stadtteil mit 2.650 Wohnungen in 5- bis 22-geschossigen Wohnblöcken für ca. 8.000 Menschen. Charakteristisch für Tenever sind die lang gestreckten, z-förmigen Riegelbauten mit treppenartig ansteigender Geschosszahl, die dem Ortsteil schon frühzeitig den Beinamen "Klein-Manhattan" eingebracht haben.

  In Tenever sollte erprobt werden, was Anfang der 1970er Jahre den städtebaulichen Idealvorstellungen entsprach: Dichte, konsequente Trennung von Fahr- und Fußwegen, großzügige Erschließung für den PKW-Verkehr und für jede Wohnung ein Tiefgaragenplatz. Eine direkte, leistungsfähige Anbindung mit einer Stadtbahnlinie konnte nicht realisiert werden: Nur über eine Buslinie ist Tenever an das ÖPNV-Netz angebunden, mit einer ca. 45-minütigen Fahrzeit in die Innenstadt.

Nach Fertigstellung von rund 2.600 Wohnungen wurde die weitere Realisierung der ursprünglich auf 4.600 Wohneinheiten ausgerichteten Planung Mitte der 1970er Jahre gestoppt, als sich herausstellte, dass das prognostizierte Bevölkerungswachstum Bremens auf fast 800.000 Einwohner im Jahr 2000 nicht eintreten würde. Erst in den 1990er Jahren wurde mit einem veränderten Konzept die Bebauung im südlichen Teil des ehemaligen Demonstrativbauvorhabens wieder aufgenommen. So entstanden in dieser Bauphase beispielsweise in einem dreigeschossigen Gebäude Altenwohnungen, entlang der Otto-Brenner-Allee Gewerbeobjekte sowie ca. 270 Reihenhäuser.

  Gebäudekomplex in Osterholz-TeneverBereits wenige Jahre nach der Fertigstellung des Demonstrativbauvorhabens wurde deutlich, dass die Anlage in vielen Bereichen den Bedürfnissen der Bewohner nicht gerecht wurde. 1989 wurde daher ein Erneuerungsprogramm für Tenever als Bestandteil sozialer Stadterneuerungspolitik beschlossen. Dieses Nachbesserungsprojekt Tenever arbeitete mit dem Ziel, städtebauliche, bauliche, soziale, ökonomische und kulturelle Defizite Tenevers auszugleichen. Dabei wurde ein beispielgebender Ansatz der Bewohnerbeteiligung und -mitbestimmung verfolgt, der auch heute noch eine große Bedeutung hat.
 


In den letzten Jahren haben sich insbesondere die sozialen und baulichen Problemlagen verschärft: Der Ortsteil Tenever ist arm (28,4% der Bevölkerung sind Sozialhilfeempfänger), international (27,3% ausländische Mitbürger aus zahlreichen Nationen) und jung (mehr als 30% Einwohner unter 18 Jahren)*. Der Ortsteil verliert überdurchschnittlich viele Einwohner durch Wegzug. Die Ursache dafür liegt in den zunehmenden baulichen Mängeln, die auf den Konkurs des Eigentümers von über 1.400 Wohnungen zurückzuführen sind. Diese Gebäude verzeichnen einen Leerstand von teilweise bis zu 50%.

  Arbeitlosenzentrum in Osterholz-TeneverDie Herausforderung besteht nun darin, den Wohnstandort Osterholz-Tenever durch ein geeignetes, mit den Bewohnern abgestimmtes Stadtumbaukonzept zu attraktivieren, sozial zu stabilisieren, baulich zu modernisieren, Wohnumfeldmaßnahmen durchzuführen, sowie durch Rückbau die städtebauliche Struktur zu verbessern und dabei das Wohnungsangebot der Nachfrageentwicklung anzupassen.

Der Senat der Freien Hansestadt Bremen hat im Herbst 2002 ein Gesamtkonzept zur Sanierung des Stadtteils Osterholz-Tenever beschlossen. Das Gesamtkonzept beinhaltet u.a. die Gründung einer Projektgesellschaft, zu der sich die Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG) und die GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen, Bremen, zusammengeschlossen haben.

 
Die Projektgesellschaft hat 2003 den in Zwangsverwaltung stehenden Gebäudebestand im Rahmen eines Zwangsversteigerungsverfahrens erworben. Auf der Grundlage eines städtebaulichen Vertrages mit der Stadtgemeinde führt die Projektgesellschaft die weitere Planung und die Aufwertungs- und Modernisierungsmaßnahmen an den erworbenen Wohngebäuden durch.
Zu diesen Maßnahmen gehören u.a. der Rückbau von Wohnanlagen inklusive Tiefgaragen, das Herrichten der Freiflächen, die Asbestbeseitigung im Rahmen der Fassadenerneuerung, die Beseitigung der hoch gelegenen Fußgängerebenen, der Ersatz bzw. die Wiederherstellung von planungsbetroffenen Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtungen. Die Gesamtkosten für das Konzept "Stadtumbau Osterholz-Tenever" betragen rund 75 Mio. Euro.

* Quelle: Projektgruppe Tenever 1999