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ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West "Impulse des ExWoSt-Forschungsfeldes
Stadtumbau West für die Zusammenfassende Dokumentation der 10. Projektwerkstatt im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West am 13./14.09.07 in Bremerhaven
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Herr Manfred Hilgen, Leiter des Referates Stadtumbau Ost und West im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung informierte die Teilnehmer der Projektwerkstatt über neue Entwicklungen in der Städtebauförderung. So würde der Bund 2007 535 Millionen Euro für die Programmbereiche Soziale Stadt, Stadtumbau Ost, Stadtumbau West, Städtebaulicher Denkmalschutz sowie die Allgemeine Städtebauförderung in Ost und West bereitstellen. Die Ausrichtung der Städtebauförderung auf problemorientierte Themenlagen würde fortgesetzt und ergänzende Programmelemente zur Innenstadt- bzw. Zentrenentwicklung (2008) und zum Denkmalschutz West (2009) integriert. Herr Hilgen bedankte sich bei den Vertretern der Pilotstädte für die vielfältigen Beiträge und Inputs im Forschungsfeld und kündigte an, dass der Bund bemüht sei, eine "Plattform" für den Austausch zwischen den Pilotstadtvertretern und Akteuren der Städte aus dem Stadtumbau West-Programm zu initiieren. Herr Volker Holm, Stadtrat aus Bremerhaven, zeigte sich erfreut darüber, dass Bremerhaven als ausrichtende Stadt der letzten Werkstatt im Forschungsfeld ausgewählt worden sei. Er verdeutlichte, dass auf Grundlage der konzeptionellen Vorarbeiten im Form des Stadtumbaukonzeptes vielfache Problemstellungen in unterschiedlichsten Handlungsräumen "in Angriff genommen" worden seien. Zwar sei es bisher nicht gelungen, die Bevölkerungsrückgänge zu stoppen und die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt zu stabilisieren, jedoch gäben eine Vielzahl städtebaulicher Aufwertungsbemühungen und eine enge Kooperation mit der Wohnungswirtschaft wichtige Impulse für die Stadtentwicklung. Bisher hapere es jedoch an der Zusammenarbeit mit privaten Eigentümern. Herr Holm begrüßt daher, dass das Land Bremen eine von der Stadt Bremerhaven angeregte Gesetzesinitiative unterstützt, die eine Vereinfachung des Erwerbs von unter Zwangsversteigerung stehenden Immobilien seitens der Kommune vorsieht.
Frau Evi Goderbauer, Projektleiterin beim Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung, beschrieb in ihrem Beitrag
wie der Erfahrungsaustausch innerhalb des Forschungsfeldes und der Wissenstransfer
in die Fachöffentlichkeit organisiert war. Sie resümierte,
dass es trotz der Spannbreite der Pilotstädte in Bezug auf ihre
Lage, Größe und die thematische Ausrichtung der Vorhaben
gelungen sei, im Rahmen von Werkstätten, Intranet und Bereisungen
der Forschungsagentur einen umfassenden Erfahrungsaustausch zu pflegen.
Der Wissenstransfer nach außen erfolgte hingegen im Wesentlichen
durch das Internet, Fachöffentliche Foren und die Erstellung und
Verteilung von Broschüren. Frau Goderbauer berichtete, dass nach
Beendigung des ExWoSt-Forschungsfeldes der weitere Wissenstransfer und
Erfahrungsaustausch über die Begleitforschung zum Programm Stadtumbau
West neu organisiert würde. Herr Martin Karsten verdeutlichte in seinem Vortrag (Teil 1) die Zielgruppen, Instrumente, Informationswege des Wissenstransfers im Forschungsfeld. Darüber hinaus erläuterte er ein Fünf-Phasen-Modell des Wissenstransfers im Netzwerk der Pilotstädte und stellte dar, dass sich der Transfer derzeit in der letzten Phase befände, in der die Erfahrungen der Pilotstädte in übergeordnete Fragestellungen einfließen würden. Die entsprechenden Fragestellungen wurden zum Ende der Veranstaltung mit dem Plenum diskutiert (s. u.).
In Kürze: Diashow: Exkursion
Wie oben erläutert, befindet sich der Wissenstransfer im ExWoSt-Forschungsfeld derzeit in einer Phase in der die Erfahrungen der Pilotstädte in übergeordnete Fragestellungen einfließen. Herr Martin Karsten erläuterte in seinem Vortrag (Teil 2) die Fragestellungen und formulierte erste Hinweise zur Beantwortung. Im Rahmen moderierter Plenumsrunden - jeweils durch zwei Impulsbeiträge eingeleitet - wurden am zweiten Veranstaltungstag die ausgewählten Themenstellungen diskutiert: Können städtebauliche Maßnahmen Schrumpfungsprozesse
beeinflussen? Das Plenum ist sich einig, dass städtebauliche Maßnahmen bedingt Schrumpfungsprozesse beeinflussen können. Während auf die natürliche Bevölkerungsentwicklung nach Ansicht der Teilnehmer nicht eingewirkt werden könne, bestünde zumindest in Maßen die Chance die räumliche Bevölkerungsentwicklung zu steuern. Wanderungen ins Umfeld seien - in Abhängigkeit von Lage und Raumtyp des Quartiers und Ausmaß der Wanderungen - beeinflussbar; hingegen stelle sich die Einwirkung auf Fernwanderungen durch rein städtebauliche Maßnahmen eher problematisch dar. Als eine Möglichkeit der Einwirkungen auf Wanderungen sehen die Akteure die Anpassung des Wohnungsbestandes. Durch Abbruch leer stehender Bestände und Wohnumfeldverbesserungen könne einer Verwahrlosung der Quartiere entgegengewirkt werden. Angebotsdefizite z. B. in Bezug auf Frei- und Spielflächen könnten ausgeglichen werden und Qualitätsverbesserungen würden dazu beitragen, dass eine stärkere Wertschätzung des Quartiers einsetzt. Dadurch könne die Umzugsmobilität der Bewohner gebremst werden und somit eine Stabilisierung von Nachbarschaften erfolgen. Auch einer weiteren sozialen Entmischung würde entgegengewirkt. Als positives Beispiel in Bezug auf die Steigerung der Wertschätzung von Quartieren und Gebäuden sowie zur Konservierung wichtiger Gebäudebestände wurde das Beispiel der so genannten "Wächterhäuser" in Leipzig angeführt. Grundprinzip dabei ist, dass seit langem leer stehende Gebäude und deren Kontrolle Einzelpersonen bzw. Initiativen gegen Bezahlung der Betriebskosten, und Eigenleistungen überlassen werden. Die Nutzer, meist soziale, kulturelle, gewerbliche Nutzer, mit Ausstrahlung und Anziehung auf das Quartier, werden damit zu "Wächtern" über das Haus . Mit diesem Ansatz könne sowohl weiterer baulicher Verwahrlosung vorgebeugt als auch kreatives Milieu in der Stadt gehalten werden. Weitere Steuerungspotenziale sehen die Diskussionsteilnehmer in der Hauptsache in einem umfassenden Ansatz, der über rein städtebauliche Maßnahmen hinausgeht. Im Rahmen einer langfristigen Gesamtstrategie müssten arbeitsmarktbezogene Angebote geschaffen und in die (Aus)-Bildung investiert werden. Eine enge Verknüpfung städtebaulicher Aufwertungsmaßnahmen und wirtschaftstruktur- bzw. arbeitsmarktpolitischer Förderung erfolgt z. B. in der Pilotstadt Pirmasens. Der Messestandort Pirmasens wird durch räumliche Konzentration bei seiner neuen Marktpositionierung unterstützt. Die Schuhfabrik Rheinberger wird revitalisiert, um dort strukturpolitische Ansätze wie Dienstleistungsförderung sowie touristische und Bildungsinitiativen zu bündeln. Auch seien nach Ansicht der Diskutierenden weiche Standortfaktoren sowie soziale Angebote (z. B. Integrationsleistungen) auszubauen. Hier böten sich innovative Träger- oder Nutzermodelle oder auch Standortkonzentrationen beispielsweise in Schulen - wie im Stadtteil Lehe in Bremerhaven umgesetzt - an. Eine Kooperation mit der Wohnungswirtschaft könne sich bei dem Ausbau der sozialen Infrastruktur als hilfreich erweisen, wie z. B in der Stadt Salzgitter erprobt: Hier beteiligt sich ein Wohnungsunternehmen finanziell an einem Stadtteiltreff der Diakonie. Einem "neuen Trend" folgt auch diesbezüglich die Stadt Pirmasens: In Kooperation zwischen Stadt, dem Wohnungsunternehmen und der Diakonie wird gemeinschaftlich das Wohnprojekt "Wohnen für Generationen" umgesetzt. Geschaffen wird ein generationsübergreifendes Wohnangebot, welches ein gemeinsames Wohnen zwischen Jung und Alt, gleichzeitig aber auch individuelles Wohnen mit hoher Lebens- und Wohnqualität ermöglicht.
Nach Ansicht der Teilnehmer der Diskussionsrunde sind die sich abzeichnenden Trends der Außenentwicklung differenziert zu betrachten. In Bezug auf das Thema "Wohnen" zeichne sich der ganz neue Trend ab, dass weniger Eigentum gebildet würde, dafür aber verstärkt Mietangebote nachgefragt würden. Dies beträfe zum einen den Wohnungsbereich, aber auch Einfamilienhäuser, die mit abnehmender Intensität Nachfrage erführen. Neben der Abschaffung der Eigenheimzulage sei diese Entwicklung v. a. auf die zunehmende Mobilität und etwaige Existenzängste der Bürger zurückzuführen. Das "Wohnen in der Stadt" erfährt nach Ansicht der Akteure ein "Renaissance"; dies zeige sich z. B. in der Pilotstadt Selb, wo eine nachlassende Nachfrage nach Bauland und eine verstärkte Nachfrage nach Wohnungen in der Stadt bzw. barrierefreiem Wohnraum zu verzeichnen seien. Bei gewerblichen Nutzungen sehen die Vertreter der Pilotstädte nach wie vor größere Potenziale für Flächen und Immobilien in verkehrsgünstiger Stadtrandlage. Hintergrund sei die nach wie vor starke Nachfrageprägung durch Industrie- und Gewerbebetriebe in den Stadtumbau-Städten, die aufgrund Lärm- und anderer Emissionen in inneren Bereichen der Stadt nicht integrierbar sind. Flächennachfragen reiner Diensteistungsunternehmen - wie z. B. aus dem IT-Bereich - gäbe es kaum, weshalb der Vorrat an innerstädtischen Brachen häufig nur schwierig zu vermarkten sei. Sinkende Preise für Immobilien im Umland gekoppelt mit einem immer größer werdenden Flächenbedarf sprächen ebenfalls dafür, dass sich die Außenentwicklung zunächst fortsetzen wird. Auch die immer noch nicht ganz gestoppte Verlagerung des großflächigen Einzelhandels an peripher gelegene, verkehrsgünstige Standorte befördere teils Entwicklungen im Außenbereich. Für derartige Entwicklungen liegen manche Beispiele aus Regionen der Pilotstädte vor.
Bevölkerungs- und Arbeitsplatzverluste verursachten in der Mehrzahl der Pilotstädte im ExWoSt-Forschungsfeld einen Rückgang der Wohnungsnachfrage, der sich in einer hohen Anzahl leer stehender Wohnungen, v. a. im Segment der Mehrfamilienhäuser, äußert. Langfristig sei es nach Ansicht der Teilnehmer der Diskussionsrunde in vielen Städten bzw. Wohnquartieren notwendig eine Entdichtung und damit Abrisse vorzunehmen, um den Wohnungsmarkt zu stabilisieren und einer Verwahrlosung der Quartiere vorzubeugen. Diesbezüglich zeichne sich in Siedlungen mit vielen Einzeleigentümern mangelnde kommunale Handlungsfähigkeit in Bezug auf den Rückbau ab, während in Gebieten, wo Wohnungsunternehmen mit der Stadt kooperieren, ein strategischer Rückzug (z. B. "Schrumpfung an den Rändern) möglich sei. Es zeige sich, dass in einigen Städten mit anhaltend hohen (strukturellen) Leerständen, in Gebieten mit nicht zu vereinbarenden Nutzungen, Quartieren mit schadhafter Bausubstanz (z. B. Bergschäden) und Stadtteilen in denen Einzeleigentümer vorherrschen, die keine Investitionen in ihre Bestände vornehmen, eine Konzentration des Rückbaus von Geschosswohnungen auf größere Siedlungsteile erfolgen müsse. Einen Bedarf der Aufgabe ganzer Siedlungsgebiete sehen die Akteure in westdeutschen Städten derzeit nicht. Zum einen sei der Problemdruck in den betroffenen Städten und Quartieren (noch) nicht so stark ausgeprägt. Zudem müsse die Wohnungspolitik auch ihrer sozialen Verpflichtung gegenüber den Bewohnern gerecht werden. Darüber hinaus könne man über Kooperation mit Wohnungsunternehmen bereits entscheidende Erfolge verbuchen. Die zahlreichen Beispiele im ExWoSt-Forschungsfeld für einen Stadtumbau-Prozess, der Rückbau- und Aufwertungsmaßnahmen systematisch kombiniert, zeigen, dass neben einem Marktbereinigungseffekt insbesondere attraktive neue Wohnangebote entstehen können.
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