Tagungsergebnisse zum 3. Fachöffentlichen Forum im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West am 15./16.09.05 in der Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte

 

Das Veranstaltungskonzept des Fachöffentlichen Forums basiert auf den Ergebnissen einer von der Forschungsagentur koordinierten europäischen Vergleichsstudie zum Stadtumbau. Fünf Bearbeiterteams haben Stadtumbau-Prozesse in insgesamt zehn Städten aus England, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark und Schweden fallstudienhaft und nach Anregungen für die westdeutsche Stadtumbau-Praxis untersucht. Die Ergebnisse sind Grundlage einer Veröffentlichung, die pünktlich zum Fachöffentlichen Forum als Heft 37 in der Reihe "Werkstatt: Praxis" des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung erschienen ist. (Die Veröffentlichung ist zu einem Preis von 12,50 EUR zuzüglich Porto beim BBR - selbstverlag@bbr.bund.de - erhältlich).

Nach einem einführenden Vortrag zu Stadtumbau-Bedarfen in Europa wurden die Erfahrungen der europäischen Vergleichsstädte in drei Veranstaltungsbausteinen von den jeweiligen Bearbeitern zugespitzt auf thematische Schwerpunkte vorgestellt. In den anschließenden Podiumsdiskussionen mit Stadtumbau-Experten aus Westdeutschland wurden Aspekte, die die westdeutsche Stadtumbau-Praxis befruchten können, reflektiert und auf ihre Übertragbarkeit hin überprüft:

Einleitende Reden und Präsentationen:

Prof. Dr. Wilhelm Söfker, Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
thematisierte in seiner Rede "Stadtumbau - eine internationale Pionieraufgabe" die Folgen des Strukturwandels in westeuropäischen Ländern und zeigte auf, welche Rolle Deutschland bei der Entwicklung von Bewältigungsstrategien in der Vergangenheit einnahm und weiterhin einnehmen wird. Er stellte dar, dass in den Stadtumbau-Bemühungen, Bevölkerungsrückgänge zur Entdichtung von Stadtquartieren zu nutzen und damit neue urbane Qualitäten zu schaffen, ein Erfahrungsvorsprung gegenüber den Ländern liegen könne, in denen demographische Prozesse erst zukünftig spürbar würden. Der Redebeitrag wird in Kürze bereitgestellt.

Stefan Mörsdorf, Minister für Umwelt des Saarlandes
stellte in seiner Rede "Demografischer Wandel und Stadtumbau im Saarland" das seiner Ansicht nach lange von der allgemeinen und politischen Öffentlichkeit nicht bzw. nur unzureichend wahrgenommene Thema des demografischen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland in den Mittelpunkt. Im Rahmen der saarländischen Landespolitik seien die Folgen der demografischen Veränderungen insbesondere für die Städtebaupolitik und Landesplanung bereits seit einigen Jahren ein wichtiges Thema. Angesichts der absehbar rückläufigen Bevölkerungsentwicklung habe man frühzeitig begonnen von seiten des Landes lenkend einzugreifen, um die negativen Folgewirkungen für die Kommunen in Grenzen zu halten. So bemühe man sich gemeinsam mit den Kommunen im Bereich der öffentlichen Infrastrukturen um eine frühzeitige Konzentration bzw. einen Rückbau von Einrichtungen. Dazu sei allerdings an die Kommunen die Forderung zu richten, das "Kirchturmdenken" zu überwinden.

Hohe Priorität besäße darüber hinaus die Förderung der Ortskernentwicklung und die Stärkung der vorhandenen Bausubstanz. Auch der Landesentwicklungsplan "Siedlung" solle künftig verstärkt dazu eingesetzt werden, die Ausweisung von Wohngebieten in den Siedlungsrändern auf ein Minimum zu reduzieren und die vorhandenen Wohngebiete zu stärken. In diesem Zusammenhang verwies Herr Minister Mörsdorf auf das seiner Ansicht nach erhebliche Potenzial an Eigenheimen in Siedlungsgebieten aus den 1960er und 1970er Jahren, das in naher Zukunft auf den Immobilienmärkten erscheinen werde und von den Kommunen für eine ausgewogene Siedlungsentwicklung berücksichtigt werden sollte. Außerdem seien, so Minister Mörsdorf, insbesondere mit den Alterungsprozessen der Bevölkerung auch Chancen für eine Stärkung der Kernstädte verbunden. Schon jetzt zeichne sich ab, dass mit zunehmendem Lebensalter andere Wohnwünsche, wie z.B. kleinere Wohnungen, integrierte Lagen mit kurzen Wegen zu öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen usw. verbunden seien. Dieses Potenzial gelte es auch städtebaulich zu nutzen, so Mörsdorf. Zur Unterstützung dieser Prozesse habe das Ministerium für Umwelt mittlerweile ein "Modellvorhaben zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch innerörtliche Entwicklung (MELANIE) aufgelegt. Das Modellprojekt soll vor Ort in den Kommunen dazu beitragen, mit den Problemen des demografischen Wandels kreativ umzugehen und Lösungen zu entwickeln.

Abschließend forderte Minister Mörsdorf dazu auf, die Herausforderungen des demografischen Wandels nicht als städtebauliches Problem, sondern als Chance auf einen Qualitätsgewinn unter dem Leitsatz "Mehr Stadt für weniger Menschen" zu begreifen. Angesichts knapper öffentlicher Kassen sei es dabei unumgänglich, sich auf Schwerpunkträume zu konzentrieren. Umso wichtiger sei es jedoch, fehlendes Geld durch gute Ideen zu ersetzen.

Dr. Hans-Peter Gatzweiler, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
schlug in seinem Vortrag "Stadtumbau-Bedarfe in Europa - ein Überblick" ein Messkonzept für schrumpfende Städte vor. Ausgehend von der Beobachtung, dass Stadtentwicklung in Europa heute Wachstums- und Schrumpfungsprozesse beinhaltet und Stadtumbau die Reaktion auf Schrumpfungsprozesse darstellt, gewinnt ein solches Konzept zur Einordnung schrumpfender Städte bzw. Regionen in Deutschland und Europa an Bedeutung. Im BBR wurden erstmalig 2003 die sechs Strukturindikatoren Bevölkerungsentwicklung, Gesamtwanderungssaldo, Arbeitsplatzentwicklung, Arbeitslosenquote, Realsteuerkraft und Kaufkraft als Messgrößen für eine auf Gemeindebasis bezogene Analyse in Deutschland herangezogen und entsprechende Ergebnisse veröffentlicht. Herr Dr. Gatzweiler übertrug dieses Messkonzept auf europäische Regionen und konnte feststellen, dass stark strukturschwache Regionen ausschließlich in Ostdeutschland und den sog. Transformationsländern zu finden sind. Stark strukturschwache Regionen sind solche, die bei fünf bis sechs der o.g. Strukturindikatoren im Bereich der unteren 20% aller Regionen liegen. Strukturschwache Regionen, bei denen dieses für drei bis vier Indikatoren zutrifft, sind ebenfalls in Ostdeutschland und den Transformationsländern zu finden, weiterhin zählen aber auch das nördliche Ruhrgebiet, Regionen in Nordwestdeutschland, in Griechenland, Süditalien, Spanien, Portugal und Großbritannien dazu.


Themenschwerpunkt 1:

Welches städtebauliche Instrumentarium und welche Förderpolitik braucht Stadtumbau?

Die Ergebnisse der Podiumsdiskussion finden Sie hier.


Themenschwerpunkt 2:

Braucht der Stadtumbau neue Organisations- und Beteiligungsformen?

Die Ergebnisse der Podiumsdiskussion finden Sie hier.


Themenschwerpunkt 3:

Gelingt Stadtumbau nur über Großprojekte?

Die Ergebnisse der Podiumsdiskussion finden Sie hier.


Abschließend wurden in einer weiteren Podiumsdiskussion die Empfehlungen für den Stadtumbau in Deutschland zusammengetragen und diskutiert. Die Ergebnisse der Podiumsdiskussion finden Sie hier.

 

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