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Dritter Veranstaltungsblock:
Stadtumbau sichtbar in Wohnquartieren
Stadtumbau in Wohnquartieren verfolgt städtebauliche und
wohnungswirtschaftliche Lösungen in Quartieren mit hohen Leerständen
oder Leerstandsrisiken. Dabei unterscheiden sich Problemlagen und Lösungsstrategien
in Wohnsiedlungen aus den 1950er Jahren bzw. 1960er/70er Jahren von
Altbauquartieren im Eigentum von Wohnungsunternehmen sowie von Gründerzeitquartieren
im zersplitterten Eigentum.
- Den erfolgreichen Stadtumbau einer Hochhaussiedlung aus den
1970er Jahren erläuterte Herr Martin Paßlack,
technischer Leiter der GEWOBA AG Wohnen und Bauen am Beispiel
der Siedlung Osterholz-Tenever in Bremen. In der Hochhaussiedlung
mit ehemals 2.649 Wohnungen wurden seit 2003 ca. 1.000 Wohnungen abgerissen,
ca. 650 Wohnungen modernisiert, das Wohnumfeld neu organisiert und
attraktiviert und soziale Infrastruktureinrichtungen verlegt. Der
Stadtumbau erfolgte bis 2006 durch eine öffentlich-private Grundstücksgesellschaft
(otg mbH), die die Kommune und das Wohnungsunternehmen eigens für
diesen Zweck gegründet hatten. Seit 2006 hat das Wohnungsunternehmen
die Anteile der Kommune übernommen und steuert den Prozess eigenständig.
Nicht zuletzt nach einer aufwändigen Imagekampagne im Frühjahr
2007 steigen die Vermietungszahlen und findet Osterholz-Tenever positive
Aufmerksamkeit in der Stadt. Diese Signale schaffen Mut für eine
Fortschreibung des Stadtumbau-Konzeptes, das u. a. auf Eigenheimbau
auf rückgebauten Flächen im Nordteil der Siedlung zielt.
Die Präsentation von Herrn Paßlack finden Sie hier.
- Im Mittelpunkt des Stadtumbaus der innenstadtnahen Gartenstadtsiedlung
in Wilhelmshaven-Siebethsburg, die zwischen 1900 und 1940
erbaut wurde, stand die zielgruppenspezifische Anpassung von Altbauwohnungen.
Herr Frank Menzel, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins Rüstringen
e.G. beschrieb anschaulich den Erfolg dieser Zielgruppenorientierung
in einer von Schrumpfung betroffenen Stadt: Mit Wohn- und Dienstleistungsangeboten
für ältere Menschen durch Umbau von Gebäuden hat sich
der Stadtteil Siebethsburg als Full-Service-Stadtteil für ältere
Menschen etablieren können. Durch den Ausbau einer Begegnungsstätte
konnte ein stadtteilbezogener und generationsübergreifender Treffpunkt
geschaffen werden. In Folge der kinder- und familienorientierten Umgestaltung
von Gebäuden und Wohnumfeld sind Familien in den Stadtteil zugezogen
und durch spezifische Wohn- und Dienstleistungsangebote für Studierende
und Auszubildende wurden einerseits junge Menschen angesprochen und
konnten andererseits Leerstände an verkehrsbelasteten Wohnstandorten
beseitigt werden. Nicht zuletzt die Stadtumbau-Maßnahmen haben
dazu geführt, dass nach langjährigen Einwohnerverlusten
seit 2003 Zugewinne im Stadtteil zu verzeichnen sind. Die Präsentation
von Herrn Menzel finden Sie hier.
- Herr Bürgermeister Rainer Mänder berichtete aus
der auf der Schwäbischen Alb gelegenen ehemaligen Textilstadt
Albstadt. Er führte aus, dass der Niedergang der
Textilindustrie nicht nur über 50 Textilbrachen hinterlassen
hat, sondern dass der auf die Strukturkrise folgende Einwohnerverlust
auch Nachfragerückgänge in der 1950er-Jahre-Wohnsiedlung
Stiegel-Nord mit sich brachte. Wegen der hohen strukturellen Wohnungsleerstände
wurde in Kooperation von Kommune und den beiden Wohnungsunternehmen
der 553 Wohnungen ein Neuordnungskonzept erstellt, das Rückbau
und Modernisierung von Gebäuden sowie Attraktivierung des Wohnumfelds
und Wiedernutzung frei gelegter Flächen als Wohnbauland für
Einfamilienhäuser vorsieht. Dieses Neuordnungskonzept wurde innerhalb
von drei Jahren erfolgreich umgesetzt, Wohnungsleerstände gibt
es seitdem nicht mehr. Die Vermarktung der Grundstücke für
Einfamilienhäuser stockt allerdings derzeit noch, weil die allgemeine
Nachfrage in Albstadt deutlich zurückgegangen ist. Mehr zum Stadtumbau
auf Stiegel-Nord finden Sie in der Präsentation.
- Herr Dr. Henning Budelmann, Leiter des Stadtplanungsamtes der
Stadt Bremerhaven, formulierte die hohe Bedeutung der Anpassung
von sozialer Infrastruktur im Rahmen des Stadtumbaus von Wohngebieten
am Beispiel eines Gründerzeitgebietes und einer 1950er-Jahre-Siedlung
in Bremerhaven. Er hob dabei hervor, dass die Nachfragerückgänge
im Rahmen von Stadtumbau-Prozessen auch Chancen für Qualitätsgewinne
böten. So seien beispielsweise zwei Schulen im Gründerzeitgebiet
Bremerhaven-Lehe aufgegeben worden: eine für einen attraktiven
Quartiersplatz, eine andere für ein kulturelles Zentrum mit Dienstleistungsangeboten
insbesondere für Familien. Gleichzeitig wurde eine dritte Schule,
die nun Einzugsgebiet für alle Schüler ist, baulich verbessert
und erweitert und erhielt ein neues, auf die spezifischen Bedarfe
des Stadtquartiers bezogenes pädagogisches Profil. So bringe
der Rückbau von Schulinfrastruktur gleichzeitig eine qualitative
Verbesserung des Angebots mit sich. Die Präsentation von Herrn
Dr. Budelmann finden Sie hier.
Podiumsgespräch
"Blick auf die Erfahrungen aus Sicht des Bundes, des Landes,
der Kommune und der Forschung"
Teilnehmer:
Manfred Hilgen, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Sabine Nakelski, Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
Hans-Jürgen Best, Geschäftsbereichsvorstand Planen der Stadt
Essen
Evi Goderbauer, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Prof. Elke Pahl-Weber, Technische Universität, Berlin
Moderation:
Martin Karsten, Forschungsagentur Stadtumbau West, FORUM GmbH
Mit dem Podiumsgespräch wurde das Ziel verfolgt, auf der Basis
der vorgestellten kommunalen Stadtumbau-Erfahrungen aus Sicht von Bund,
Land und Forschung die bedeutsamen Herausforderungen des Stadtumbaus
in Westdeutschland herauszukristallisieren und ggf. notwendige Anpassungen
von Förder- und Rechtsinstrumentarium zu formulieren. Folgende
Themenstellungen standen im Vordergrund:
Städtebaurecht:
Unter den Podiumsteilnehmern bestand Einigkeit darin, dass die Erfahrungen
der Pilotstädte mit ihren Stadtumbau-Prozessen grundsätzlich
ein konsensuales Verfahren als bevorzugten Weg im Stadtumbau bestätigten.
Mit dem in den Städten verfolgten Pragmatismus, die umsetzbaren
Maßnahmen mit den kooperationsbereiten Eigentümern vorzuziehen,
seien sichtbare Erfolge erzielt worden. Einzelne Vertreter auf dem Podium
vermuteten, dass die Möglichkeiten des Städtebaurechts in
Form der Anwendung des Sanierungsrechts oder einer Stadtumbau-Satzung
in den Kommunen noch nicht ausreichend eingesetzt würden. Die Anwendungsprozesse
seien zwar häufig langwierig, könnten aber parallel zur Überzeugungsarbeit
auch bei nicht-kooperativen Eigentümern zum Erfolg führen.
Während die Teilnehmer des Podiumsgesprächs weniger eine Notwendigkeit
der Anpassung des BauGB-Instrumentariums sahen, formulierten Vertreter
zweier Pilotkommunen aus dem Publikum den Bedarf der Anpassung des Zwangsversteigerungsrechts
bzw. der Vereinfachung von Gebotslösungen.
Städtebauförderung:
Insgesamt wurde die Städtebauförderung als ausreichend flexibel
und gut mit anderen Programmen kombinierbar gewertet. Bei der Kombination
mit anderen Förderprogrammen habe sich die Unterstützung des
Landes durch sog. Fördermittelkonferenzen für einzelne Stadtumbau-Vorhaben
bewährt.
Bündelungspotenzial bei Stadtumbau-Vorhaben wurde in Bezug auf
die "Belohnung" von Kooperation von Akteuren im Stadtumbau
gesehen: So könnte beispielsweise ein günstigerer Fördersatz
für den Fall der Zusammenarbeit von Wohnungsunternehmen beim Stadtumbau
einer Siedlung zur Bündelung der Aktivitäten ebenso beitragen
wie die Besserstellung bei der Förderung, wenn mehrere Kommunen
in interkommunaler Abstimmung Stadtumbau betreiben.
Als für den Stadtumbau zu statisch wurde die Einführung der
degressiven Staffelung der Fördergelder über den Förderzeitraum
gesehen: Die Pilotstadterfahrungen hätten gezeigt, dass die Zusammenarbeit
mit Eigentümern einer ein- bis zweijährigen Vorbereitung bedarf,
so dass die höchsten Förderbedarfe bei den Kommunen erst ab
dem dritten Jahr eines Stadtumbau-Prozesses zu erwarten seien.
Wissenstransfer:
Die Pionierrolle der Pilotstädte im ExWoSt-Forschungsfeld und die
Auswertung ihrer Erfahrungen für die Fachöffentlichkeit haben
sich nach Ansicht der Teilnehmer des Podiumsgesprächs als günstige
Rahmenbedingung für die Einführung des Regelprogramms Stadtumbau
West herausgestellt. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung beabsichtigt, diesen erfolgreichen Weg fortzusetzen,
indem 2008 eine Transferstelle für den Stadtumbau West eingerichtet
werden soll, die die Erfahrungen der Regelprogramm-Städte und auch
der ExWoSt-Städte beobachtet und für die Fachöffentlichkeit
aufbereitet.


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