Tagungsergebnisse zum 5. Fachöffentlichen Forum im ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West
am 21./22.06.07 im Choreographischen Zentrum auf der Zeche Zollverein
Zweiter Veranstaltungsblock:
Stadtumbau sichtbar in Innenstädten und bei Industrie- und Militärbrachen
Stadtumbau in Innenstädten beinhaltet die Bewältigung von Nachfragerückgängen und Gebäudeleerständen in baulich eher hoch verdichteten Gebieten in Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Eigentümern. Diese Aufgabe ist mühsam, erfordert einen hohen Moderationsaufwand der Kommune und eine integrierte Strategie, welche die Interessen am Geschäfts- und am Wohnstandort Innenstadt berücksichtigt.
Stadtumbau von Industrie- und Militärbrachen zielt auf die Revitalisierung von Brachen unter den Bedingungen lokaler wirtschaftlicher Strukturkrisen und einem Überangebot leer stehender militärischer Liegenschaften. Überregionale Projektentwickler scheuen wegen der vorliegenden Nachfrageschwäche ebenso das Risiko solcher Vorhaben wie Kreditinstitute deren Finanzierung. Vor diesem Hintergrund stehen Kommunen und lokale Wirtschaftsakteure in der Pflicht, gemeinsame Wege der Revitalisierung zu suchen.
Auf die Vorstellung von Erfahrungen mit dem Stadtumbau von Innenstädten
und Industrie- und Militärbrachen durch ausgewählte Pilotstädte
folgte ein Podiumsgespräch mit dem Titel:
"Blick auf die Erfahrungen aus Sicht des Bundes, des Landes, der
Kommune und der Forschung"
Teilnehmer:
Dr. Ulrich Hatzfeld, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Rudolf Raabe, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung
Helmut Resch, Leiter des Stadtbauamtes der Stadt Selb
Prof. Dr. Wendelin Strubelt, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Direktor des Institutes für Landes- und Stadtentwicklungsforschung
und Bauwesen, Dortmund
Moderation:
Christina Stellfeldt-Koch, Forschungsagentur Stadtumbau West, FORUM GmbH
Mit dem Podiumsgespräch wurde das Ziel verfolgt, auf der Basis der vorgestellten
kommunalen Stadtumbau-Erfahrungen aus Sicht von Bund, Land und Forschung die
bedeutsamen Herausforderungen des Stadtumbaus in Westdeutschland herauszukristallisieren
und ggf. notwendige Anpassungen von Fördertechnik und Baugesetz zu formulieren.
Folgende Themenstellungen standen im Vordergrund:
Akzeptanz des Stadtumbaus:
Stadtumbau in Westdeutschland besitze heute eine große Akzeptanz, war
die übereinstimmende Meinung auf dem Podium. Dies sei nicht zuletzt auch
dem ExWoSt-Forschungsfeld mit seinen aktiven Pilotstädten und den sichtbaren
Stadtumbau-Erfolgen zu verdanken. Ein Indiz für diese Akzeptanz auf Bundesebene
sei u. a. die Erhöhung der Fördermittel für das Programm Stadtumbau
West, die einhellige Unterstützung in der Politik gefunden hätte.
Auch der geringe Dissens zwischen Kommunen, Bund und Ländern bei Veranstaltungen
zum Stadtumbau West seien ein Hinweis für Akzeptanz. Optimierbar sei allerdings
mancherorts der Umgang der Kommunalpolitik mit dem Thema Stadtumbau; auf dieser
Ebene wäre der strategische Paradigmenwechsel von der Verteilung von Wachstumsimpulsen
auf städtebauliche Qualitätsgewinne trotz abnehmender Nachfrage besonders
schwierig. Bund und Länder wären daher gefordert, die zuständigen
Kommunalverwaltungen bei ihrer Akzeptanzsuche in der Kommunalpolitik zu unterstützen.
Kommunalfinanzen:
Stadtumbau-Bedarfe treten in hohem Ausmaß gerade in von wirtschaftlichen
Strukturkrisen betroffenen Städten auf, in denen häufig eine schlechte
Finanzausstattung der Kommunen zu verzeichnen ist. Viele Stadtumbau-Kommunen
stehen unter Haushaltssicherungsgesetz und sind damit bei der Kofinanzierung
von Städtebauförderungsmitteln eingeschränkt. Mit der Einführung
der sog. Experimentierklausel in der Verwaltungsvereinbarung 2007, welche die
Übernahme eines Teiles der kommunalen Kofinanzierung durch private Akteure
zulässt, könne, so ein Podiumsteilnehmer, dem Umstand der Finanzknappheit
der Stadtumbau-Kommunen Rechnung getragen werden.
Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte:
Seitens der Podiumsteilnehmer wurde die große Bedeutung und Leitfunktion
der integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepte in den vorgestellten
Pilotkommunen hervorgehoben. Gerade bei Umsteuerungsprozessen mit neuen Zielstellungen,
wie es der Stadtumbau darstellt, sei es notwendig, von isolierten Einzelvorhaben
Abstand zu nehmen und stattdessen Impulsprojekte in den Kontext von Gesamtkonzepten
zu stellen. Bei der BauGB-Novellierung von 2004 sei mit dem § 171 a-d die
entsprechende Grundlage geschaffen worden für die notwendige Erarbeitung
städtebaulicher Entwicklungskonzepte.
Ressortübergreifende Umsetzung:
Einigkeit bestand unter den Podiumsteilnehmern, dass eine ressortübergreifende
Umsetzung des Stadtumbaus in den Städten erforderlich sei. Vielfach wäre
dies auch in den integrierten Konzepten angelegt, allerdings seien noch Defizite
bei der Vernetzung der Ressortstrukturen festzustellen, welche die übergreifende
Abstimmung bei der Umsetzung behinderten. Dies sei allerdings nicht nur den
Kommunen anzulasten, da auch auf Bundes- und Landesebene diese Vernetzung noch
nicht immer ausreichend funktioniere. Insofern wären auch Bund und Länder
gefordert, durch verbesserte ressortübergreifende Strukturen die Kommunen
bei der Umsetzung ihrer integrierten Stadtumbau-Strategien zu unterstützen.
Zusammenarbeit mit Eigentümern:
Seitens der Teilnehmer des Podiums wurde die besondere Schwierigkeit hervorgehoben,
dass konsensuales Vorgehen im Stadtumbau kooperationsinteressierte Eigentümer
voraussetzt. Dieses Kooperationsinteresse sei aber weder bei privaten noch bei
institutionellen Eigentümern immer gegeben, was als großes Hindernis
bei der Umsetzung von Stadtumbau-Konzepten zu werten sei. Besondere Schwierigkeiten
ergeben sich häufig auch bei der Kooperation mit Immobiliengesellschaften
von Bundesinstitutionen wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben oder
die Deutsche Bahn Immobilien GmbH. Für die kommunalen Stadtumbau-Prozesse
wäre es hilfreich, wenn diese Institutionen Handlungsspielraum erhielten,
im Rahmen von Stadtumbau-Prozessen von hohen Erlöserwartungen abweichen
zu dürfen.